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Wohnen für Hilfe

Initiative „Helping Hands“ unterstützt Migranten mit einem neuen Projekt / Aus der Studentenszene abgeschaut

Flüchtlingen bei Wohnungssuche helfen. Gemeindereferent Herbert Kohl und Kibreab "Kebi" Habtemichael ("Helping Hands") hoffen gemeinsam mit Johannes aus Eritrea und Hasan aus Syrien (von links), dass sich möglichst viele Vermieter melden.

Viernheim. Erfunden haben es deutsche Studenten in Darmstadt schon 1992 bei der Suche nach bezahlbarem Wohnraum. "Wohnung für Hilfe" lautete bereits damals die Gleichung, die jetzt auch für Geflüchtete aufgehen soll. Die Viernheimer Initiative "Helping Hands" hat die Idee aufgegriffen und auf Menschen zugeschnitten, die aus Flüchtlingsunterkünfte raus müssen.

Der private Markt gibt aber nicht genügend passende Wohnungen her, diese spezielle Lösung soll Abhilfe schaffen. "Die Wohnungssituation für Geflüchtete ist problematisch. Wir haben über die Initiative 'Ich bin ein Viernheimer' schon unsere Beziehungen spielen lassen, das war aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein", schildert HiMi-Gemeindereferent Herbert Kohl die aktuelle Situation. Bisher konnten gerade einmal 30 von 400 Personen in private Wohnungen untergebracht werden. Auf dem angespannten Wohnungsmarkt können sich viele Viernheimer, darunter viele Rentner und Alleinerziehende, die aufgerufenen Mieten nicht leisten, die Geflüchteten noch viel weniger.

Abhilfe könnte hier "Hilfe für Miete" schaffen, bei dem die Mieter dem Wohnungsinhaber ihre Hilfe anbieten. "Ein Geschäft auf Gegenseitigkeit, das schon in 36 deutschen Städten erfolgreich praktiziert wird" beschreibt Kohl den Grundgedanken. Durch einen Wohngeldzuschuss ist die Miete meist gesichert, deckt aber manchmal nur einen Teil der Kosten ab.

Unentgeltliche Gegenleistung

Diese Differenz zum Mietzins soll als unentgeltliche Gegenleistung in Form von Haushaltshilfe, Pflege in Hof und Garten, handwerklichen Arbeiten, Begleitung bei Besorgungen oder gemeinsamen Spaziergängen und Ausflügen erfolgen. Individuellen Lösung sind fast keine Grenzen gesetzt. Ausgeschlossen hiervon sind Pflegeleistungen jeglicher Art.

Anlaufstelle für interessierte Vermieter sind die "Helping Hands", die ihr Integrationsbüro im Haus des Lebens in der Kirschenstraße 52 haben. Kontakt kann aber auch über Kibreab "Kebi" Habtemichael per Email an kebi@sankt-himi.de hergestellt werden. Den potenziellen Vermietern werden nur ausgesuchte Personen vorgestellt. Dazu zählt Johannes aus Eritrea, der mit seiner kleinen Familie nach drei Jahren in einer Sammelunterkunft eine größere Wohnung sucht.

Auch Hasan, der vor 18 Monaten aus Syrien geflüchtet ist und derzeit in Lampertheim zur Schule geht, würde gerne aus dem Rhein-Neckar-Hotel ausziehen. "Die Unterkunft ist zwar okay, aber mir fehlt die Ruhe zum lernen", beklagt er sich in gutem Deutsch über laute Nachbarn und zu wenig Schlaf. JR

© Südhessen Morgen, Donnerstag, 23.02.2017